Community Codex_

Selbstverständnis und Werte

In unserer Arbeit setzen wir uns für eine explizit gemeinwohlorientierte Digitalisierung ein und legen dabei großen Wert auf respektvollen Umgang miteinander und gleichberechtigte Teilhabe. Wir leben untereinander und im Umgang mit anderen die Werte, die unsere Fellowships und uns als Organisation ausmachen. Deshalb sehen wir die folgenden Werte als essentiell für unsere Zusammenarbeit und das Miteinander in der Community:

  1. Offenheit: Wir sind bestrebt, stets unser Handeln, unsere Einstellungen und Rahmenbedingungen zu überdenken und dazu zu lernen. Wir reflektieren in den Fellowships und fördern einen offenen, kreativen Austausch. Wir sehen eine ergebnisoffene Herangehensweise und unvoreingenommene Auseinandersetzung mit neuen Ideen und Ansätze als Voraussetzung für Innovation. 
  2. Respekt: Wir verpflichten uns, einen sicheren, diskriminierungsfreien und einladenden Raum zu schaffen, in dem respektvoller Austausch, sorgenfreier Aufenthalt und wertstiftende Zusammenarbeit ermöglicht wird. Wir sorgen für respektvolle Kommunikation auf Augenhöhe.
  3. Diversität: Zusammen sind wir mehr als die Summe unserer Teile. Unterschiedliche Hintergründe, Fähigkeiten, Expertisen, Ansätze und Meinungen sind wertvoll und wichtig. Es ist uns ein sehr wichtiges Anliegen, marginalisierte Gruppen, oder als marginalisiert gelesene Gruppen einzubinden und gleichberechtigten Zugang und Beteiligung zu ermöglichen. Wir tragen dazu bei, dass alle gleichermaßen vom digitalen Fortschritt profitieren!

Was das für unser Handeln bedeutet

Jedes Mitglied der 4Germany-Community ist verpflichtet, diesem Community Kodex zuzustimmen und sich dementsprechend zu verhalten. Dazu gehören u.a. alle Fellows (der Tech4Germany und Work4Germany Programme), Alumni, Innovationstreiber_innen, Digitallots_innen, Förderer (Sponsor_innen), Mentor_innen, Botschafter_innen und Mitarbeitende. Du bist als Teil der Community auch Repräsentant_in von 4Germany und solltest daher unsere Werte kennen und diese leben. 

Im Umgang miteinander erwarten wir, dass unterschiedliche Meinungen akzeptiert und diskutiert werden. Wir pflegen einen rücksichtsvollen und wertschätzenden Umgang und erwarten, dass Meinungsverschiedenheiten respektvoll besprochen und die Fähigkeiten anderer sowie deren persönliche Grenzen respektiert werden.

Rücksichtsvolles Verhalten untereinander und das Respektieren persönlicher Grenzen sollten selbstverständlich sein, doch auch im Rahmen unserer Fellowships kann es zu Situationen kommen, in denen Menschen durch Worte oder Taten herabgewürdigt oder diskriminiert werden. Sexismus, Rassismus, Homo- und Transfeindlichkeit, Ableismus und andere Diskriminierungsformen sind auch dann nicht okay, wenn sie unbeabsichtigt geschehen. Wir akzeptieren keinerlei diskriminierendes oder belästigendes Verhalten durch die Mitglieder der 4Germany-Community. Dabei verstehen wir unter diskriminierendem und/oder belästigendem Verhalten u.a.:

  • Beleidigende Kommentare und Benachteiligungen in der Zusammenarbeit aufgrund von Alter, Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität, geistiger oder körperlicher Behinderung, körperlicher Erscheinung, Religion, Bildungsstand, Erfahrungsstand, sozioökonomischem Status oder Hintergrund, politischer Zugehörigkeit (sofern diese auf demokratischen Grundwerten fußt) oder anderen Attributen; dies gilt auch für Kommentare und Benachteiligungen in Form von Mikroagressionen.
  • Ungefragte Kommentare und Bewertungen zu den Lebensgewohnheiten und -praktiken einer Person sowie hinsichtlich politischer Ereignisse/Weltgeschehnissen, die nichts mit der Person zu tun haben
  • Physischer Kontakt und simulierter physischer Kontakt ohne Zustimmung und besonders nach einer Unterlassungsaufforderung
  • Körperliche oder psychische Gewalt
  • Absichtliche Einschüchterung
  • Anhaltende Unterbrechung der Diskussion einzelner Diskussionsbeiträge

Meldung von Verstößen gegen den Code of Conduct und anschließendes Vorgehen

Wir wollen für dich da sein. Wir unterstützen Betroffene einerseits, erlebte Situationen selbst zu verarbeiten. Andererseits kommunizieren wir auf Wunsch mit den Personen, von denen Diskriminierungen und grenzüberschreitendes Verhalten ausgingen. Dabei ist das Ziel “Awareness”: Verständnis und Bewusstsein dafür zu erzeugen, wie und warum das eigene Verhalten die Grenzen einer anderen Person verletzt hat, selbst wenn es völlig unbeabsichtigt geschah. Wir moralisieren dabei nicht; wir treten dem übergriffigen Verhalten entgegen, nicht dem Menschen. Es geht explizit nicht um Schuld oder darum, jemanden als „Täter_in“ zu verurteilen, sondern um Sensibilisierung und Verantwortung für zukünftiges Handeln.

Bei Gesprächs- und Unterstützungsbedarf oder einem Verstoß gegen den Code of Conduct kannst du dich persönlich an den jeweiligen Awareness-Officer der Programme (der/die jeweilige Programm-Manager_in) oder die durch die Fellows gewählten Fellowvertreter_innen wenden (per direkte Ansprache, Slack oder Mail) oder den Verstoß anonym über dieses Formular melden. Zudem bieten wir euch die Möglichkeit, mit einer neutralen, geschulten Person in einem geschützten Raum über Diskriminierung und Anfeindungen rund um die Aktivitäten von 4Germany zu sprechen (per Mail oder direkte Ansprache).  

Mit diesen Maßnahmen wollen wir verschiedene Anlaufstellen für Menschen bieten, um Erlebtes zu verarbeiten, Konflikte zu lösen und insbesondere auch für als Minderheiten gelesene Personen eine sicherere und angenehmere Atmosphäre zu schaffen.

Es ist die Aufgabe jeder/s Einzelnen, diesen Community Kodex aufrechtzuerhalten — sei achtsam im Umgang mit anderen. Wenn Du einen Verstoß gegen den Community Kodex bemerkst, sprich bitte mit uns. 

Die “Awareness-Officer” der Programme und die Vertrauensperson stehen dir insbesondere zur Seite, wenn:

  • du belästigt, diskriminiert, ausgegrenzt und/oder nicht respektierst wirst
  • deine persönlichen Grenzen missachtet wurden
  • du (persönliche oder strukturelle) Diskriminierung von anderen Teilnehmenden wahrnimmst
  • du dich unwohl fühlst und eine Person zum Reden brauchst.

Ein wichtiger Anteil von Awareness ist die Anerkennung der Definitionsmacht: Ob ihre eigenen Grenzen überschritten wurden, entscheidet immer ausschließlich die betroffene Person. Das machen wir, weil sonst oft die Mehrheitsgesellschaft entscheidet, wer wann diskriminiert wird und wer nicht. Einen Gegenpol dazu zu schaffen hilft, dass auch Menschen wahrgenommen werden, die sonst keine Stimme haben.

Bei der persönlichen Kontaktaufnahme fragen wir dich in der Regel zuerst, was aus deiner Sicht vorgefallen ist und ob du bereits eine konkrete Idee hast, was wir für dich tun können. Wir können z.B.

  • Mit dir bzw. dem/der Betroffenen gemeinsam herausfinden, was dir bzw. ihm/ihr am besten helfen könnte
  • Dich bzw. Betroffene unterstützen, erlebte Situationen selbst zu verarbeiten
  • Bei Konfliktsituationen vermitteln (Mediation)
  • Auf Wunsch von dir bzw. der/des Betroffenen mit den Personen, von denen Diskriminierungen und grenzüberschreitendes Verhalten ausgingen, sprechen.

Bei der anonymen Meldung über das Formular gehen wir je nach Inhalt der Meldung vor. Dies kann z.B. bedeuten, dass wir interne Aufklärung betreiben und Maßnahmen ableiten, die Community grundsätzlich auf etwas aufmerksam machen oder auch das Gespräch mit einer bestimmten Person suchen.

Es ist in Ordnung, wenn ihr über etwas nicht reden wollt oder könnt. Jede Reaktion, ob Trauer, Wut, Verzweiflung, Sprachlosigkeit, … ist okay. Ob wir mit einer Person, die eine eurer Grenzen überschritten hat, sprechen sollen, entscheidet immer ihr selbst – wir werden euch das niemals aufzwingen.

Disclaimer: Das Awarenessteam besteht aus Menschen, die für Awareness sensibilisiert sind und euch beistehen wollen, so gut sie können. Bitte seht uns nach, falls wir euch einmal nicht in dem Ausmaß Unterstützung geben können, wie ihr es euch wünscht. Wir weisen explizit darauf hin, dass wir keine therapeutische Ausbildung haben.

Alle Berichte werden streng vertraulich behandelt. Wir werden so schnell wie möglich reagieren.

Konsequenzen von Verstößen gegen den Code of Conduct

Von Teilnehmenden, die aufgefordert werden, belästigendes Verhalten zu unterlassen, wird erwartet, dass sie dies unverzüglich tun. Jede/r, der/die gegen diesen Verhaltenskodex verstößt, kann nach dem Ermessen von 4Germany den Programmen und der Community verwiesen werden.

Dank und Hinweise

Dieser Kodex basiert auf verschiedenen Open Source Kodizes und Richtlinien. Insbesondere haben wir uns an den Kodizes  des Chaos Computer Clubs sowie des XOXO Festivals orientiert.

Dieser Kodex ist unter einer Creative Commons Attribution 4.0 (CC BY 4.0) lizenziert. Wir ermutigen andere Organisationen, ähnliche Richtlinien zu übernehmen und durchzusetzen, indem sie unsere verwenden und erweitern.

4Germany lädt alle Organisationen, Institutionen und Verbände ein, an der Konversation zu diesem Thema teilzuhaben und den Community-Kodex mit uns gemeinsam weiterzuentwickeln.